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Filmen in Zeiten von Corona

Der Corona Virus hat so manch einem einen Strich durch die Rechnung gemacht. So heißt es – auch beim Filmdreh –  Improvisieren! Unser Kollege Yannick Brenz schreibt in diesem Gastbeitrag über seine Erfahrungen eines etwas anderen Trailerdrehs für Fast Forward Science.

Ich stehe mitten auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Zum achten Mal ziehe ich mir nun ein neues Outfit an. Die Sonne brennt vom ungewöhnlich blauen Himmel – klar, kein Flugverkehr, keine Kondensstreifen. Ein verstohlener Blick nach links und rechts, doch nur wenige Leute gehen alleine oder zu zweit spazieren. Gestern hatte die Polizei noch Herumsitzende aufgescheucht und Picknicks aufgelöst. Heute ist der blau-weiße Transporter bisher nicht aufgetaucht. Der Wind reißt mir das Storyboard aus der Hand. „Wirklich grandiose Bedingungen, um den neuen Fast Forward Science Trailer zu drehen“, denke ich mir und laufe mit nur einem Schuh bekleidet den Zetteln hinterher.

Jedes Jahr läutet ein neuer Trailer den Fast-Forward-Science-Wettbewerb ein. Auch dieses Mal hatten wir alles vorbereitet. Das Konzept: bis ins Detail ausgearbeitet. Das Storyboard: ein krakeliges Meisterwerk. Das Filmteam: in den Startlöchern. Doch dann warf das Coronavirus alle unsere Pläne und den Rest der Welt über den Haufen: Kontaktbeschränkungen, Quarantäne, Hygieneregeln. Uns stellte sich deshalb die Frage, die jetzt wohl viele Filmemacher*innen beschäftigt: Wie kann Filmen in Zeiten von Corona trotzdem funktionieren?

Am härtesten kollidierte Corona wohl mit dem Filmkonzept. Die ursprüngliche Idee: Ein Kamerateam sollte sich im Mexican Standoff à la The Good, the Bad and the Ugly gegenüberstehen, abwartend, bis die Spannung nicht mehr auszuhalten ist und dann Bäm! „Nicht lange zögern! Nehmt am Wettbewerb teil.“ (Pro-Tipp: Eine Filmklappe gibt ein gutes Startsignal). Doch ein Mexican Standoff muss ein wichtiges Kriterium erfüllen – drei Personen. Das war laut den aktuellen Anti-Corona-Maßnahmen jedoch unmöglich, höchstens zwei Personen durften sich treffen. Die Lösung: Ich spiele alle drei Rollen gleichzeitig, ein Mexican Standoff mit mir selbst. Am Filmtag stopfte ich also drei Outfits in meine Satteltaschen, die schon randvoll waren mit Stativ, Kamera und anderem Equipment, und machte mich schwankend auf den Weg zum Drehort.

Auf dem Tempelhofer Feld traf ich auf das gesamte Filmteam: Melanie. Zwar sind viele Videoformate, wie zum Beispiel der YouTube-Klassiker Talking Head, sehr gut alleine machbar. Viele Handgriffe sind zu zweit aber deutlich einfacher: multiple Kameraeinstellungen, Ausleuchtung, Regie, Feedback! Ein zweites Paar Augen und Ohren wahrt nicht nur die Kontinuität im Skript, sondern liefert auch eine zusätzliche Perspektive und nützliche Ratschläge. Außerdem macht es zu zweit einfach viel mehr Spaß! 

Einige Tücken hält Corona beim Filmdreh trotzdem bereit: Wie schaut man sich gemeinsam den letzten Clip an und wart dabei 1,5 Meter Abstand? Einfach das Handy auf einen Selfie-Stick montieren und die Brille aufsetzen. Wie gelingt das Audio trotz Maske? Ein Voiceover wirkt hier Wunder. Wie spielt man mehrere Rollen in einem Bild? Ganz einfach: Steadycam, häufig umziehen und im Schnittprogramm die unerwünschten Bereiche mit Masken ausblenden. YouTube-Tutorials helfen bei den Grundlagen von Masken weiter und liefern nützliche Hacks!

Am Ende kommt es vor allem auf eines an: Kreativität! Die aktuellen Einschränkungen in der Corona-Pandemie müssen euch nicht nur einschränken. Sie bieten auch Raum dafür, neue Filmtechniken zu testen, zu improvisieren und gewohnte Konzepte aufzubrechen. Also: Nicht lange zögern! Nehmt am Wettbewerb teil und werdet kreativ.

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