YOUNG SCIENTIST AWARD [short] – Shortlist

In der diesjährigen Wettbewerbsrunde von Fast Forward Science hatte es die Jury nicht leicht. Die Vielzahl an kreativen, klugen und professionell umgesetzten Videos machte die Entscheidung besonders herausfordernd für sie. Deshalb stellen wir euch hier nochmal ein paar Beiträge vor, die zu den Favorit*innen der Jury gehört haben.

Der Young Scientist Award [short] wird gemeinsam mit dem Deutschen Zukunftspreis vergeben und richtet sich an Studierende, Promovierende und Postdocs (bis sechs Jahre nach der Promotion). Gesucht werden Video-Beiträge unter drei Minuten, in denen Forschung auf anschauliche und spannende Weise möglichst vielen Menschen nähergebracht wird. Egal, ob die Teilnehmenden neu in der Social-Media-Welt sind oder schon zwanzig Videos produziert haben – entscheidend ist, dass sie ihre Lieblingswissenschaft packend präsentieren.

Neben den großartigen Beiträgen der Finalist*innen möchten wir euch drei weitere Jury-Favoriten vorstellen: Ein schnell geschnittenes Physik-Video, das erklärt, warum Forscher*innen am CERN nach „neuer Physik“ jenseits des Standardmodells suchen. Einen faktenstarken Beitrag zur Windrad-Erosion, der mit dem Mythos um Mikroplastik aufräumt und zeigt, warum Windkraftanlagen keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Und ein unterhaltsam erzähltes Video über das „Tradwife“-Phänomen, das kritisch und zugleich augenzwinkernd aufzeigt, wie Geschlechterrollen in sozialen Medien inszeniert werden. Drei Beispiele dafür, wie vielfältig und kreativ Wissenschaftskommunikation sein kann.

Windrad Erosion

Instagram: @energiewende.erklaert

Windräder als Mikroplastik-Schleudern? Diese Behauptung taucht immer wieder in sozialen Medien auf. In ihrem Video geht Eva Maria Grommes dieser These wissenschaftlich auf den Grund und zeigt: Der Abrieb von Rotorblättern ist verschwindend gering und spielt im Vergleich zu anderen Quellen wie Reifen- oder Textilabrieb keine relevante Rolle. Für Mensch und Umwelt entsteht dadurch keine Gefahr – das Gerücht von der „abschmelzenden Windkraftanlage“ ist ein Mythos.

Unsere Jury hob besonders hervor, wie originell und zeitgemäß dieser Beitrag das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit aufgreift: als direkte Antwort auf ein weit verbreitetes Vorurteil, fundiert erklärt, mit klarem Spannungsbogen und hilfreichen Animationen. Grommes forscht seit vielen Jahren zu Erneuerbaren Energien und leitet heute die Forschungsgruppe Engineering Sustainable Technologies, in der sie Technologieakzeptanz sowie den Transfer von Wissenschaft in die Gesellschaft untersucht.

 

Why are physicists searching for new particles?

Instagram: @neutralina.lu

Was steckt eigentlich hinter dem Standardmodell der Teilchenphysik und warum suchen Forscher*innen weltweit nach „neuer Physik“, die über dieses Modell hinausgeht? Genau darum geht es im Beitrag von Neutralina. In rasantem, zeitgemäßen Stil mit schnellen Schnitten, Animationen und Grafiken erklärt sie komplexe Konzepte so, dass sie auch ohne Vorkenntnisse verständlich werden. Besonders positiv fiel der Jury auf, wie zugänglich das Thema umgesetzt ist und wie stark das Video zur aktiven Auseinandersetzung einlädt.

Neutralina – mit bürgerlichem Namen Lucia Ximena Coll Saravia, eine 27-jährige Doktorandin am DESY – arbeitet im internationalen CMS-Experiment am CERN. Dort forscht sie an den kleinsten Bausteinen des Universums, während sie parallel auf Social Media ihre Begeisterung für Physik teilt und junge Menschen in Lateinamerika für Wissenschaft begeistert.

 

Tradwives: Hausgemachte Butter, Gott und Geschlechterrollen?

Instagram: @sugarkane2003 + @jessicamerkat

Sogenannte Tradwives fluten derzeit die sozialen Medien: Creatorinnen, die sich als traditionelle Haus- und Ehefrauen inszenieren, nutzen Plattformen wie Instagram und TikTok, um ein ideologisch aufgeladenes Bild von Weiblichkeit und Carearbeit zu vermitteln. Im gemeinsamen Reel erklären Jessica Wagner (Geschlechterforscherin an der Universität Bielefeld) und Anna Kira Hippert (Religionswissenschaftlerin an der Ruhr-Universität Bochum), wie diese Accounts traditionelle Geschlechterrollen reproduzieren, welche ästhetischen Mittel sie einsetzen und welche politische Dimension darin steckt. Für unsere Jury ein origineller und hochwertig produzierter Beitrag mit schönem Rollenwechsel – lustig, unterhaltsam und trotzdem informativ. Es werden ein paar Begriffe vorausgesetzt, aber insgesamt ein runder Beitrag, der zeigt, wie gut wissenschaftliche Einordnung auch mit Humor gelingen kann. Für ein Jurymitglied sogar der persönliche Platz 2!

 

Linguistik studieren – und dann? Mit Sprache auf Verbrecherjagd

YouTube: Verbzweitstellung

Was genau macht man eigentlich mit einem Linguistikstudium? Alicia Hückmann und Robin Graber beantworten diese Frage mit einem unterhaltsamen Krimi zur forensischen Linguistik. In dem fiktiven Kriminalfall veranschaulichen sie, wie Sprachwissenschaftler*innen helfen können, Täter zu überführen – etwa durch die Analyse von Drohbriefen oder WhatsApp-Nachrichten. Für unsere Jury ein erfrischender Zugang zur Linguistik: mal was anderes und Neues, mit zugänglichem Storytelling und überraschend gut gestaltet. Der Beitrag macht ein Nischenthema der angewandten Linguistik greifbar, spannend und relevant und öffnet die Tür in ein wenig bekanntes Forschungsfeld. Hinter dem Beitrag stehen Alicia Hückmann, die an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg im Fach Deutsch zu Rechtschreibung und ihrer Didaktik promoviert, und Robin Graber, Masterabsolvent in Medienwissenschaften, der aktuell ganz klassisch „irgendwas mit Medien“ bei einer Unternehmensberatung macht.

 

Habitatfragmentierung

Instagram: Umwelt verstehen

Große, unzerschnittene Lebensräume sind in unserer heutigen Landschaft eine Seltenheit geworden. Doch was bedeutet diese zunehmende Zersplitterung, die sogenannte „Habitatfragmentierung“ für die Artenvielfalt? Merle Stoltenberg, Bachelorstudentin der Geographie mit botanischem Schwerpunkt an der CAU Kiel, geht dieser Frage in ihrem Instagram-Reel auf den Grund. Sie erklärt, wie es zur Fragmentierung kommt, welche Folgen das für Tiere und Pflanzen hat und welche Strategien dabei helfen können, langfristige Schäden abzumildern.

Für unsere Jury ein sehr gelungener Beitrag: cool gedreht, anschaulich animiert und verständlich erklärt. Besonders überzeugend sind die klare Quellentransparenz, die Ruhe ohne an Spannungsbogen zu verlieren sowie der Call-to-Action am Ende, der das Publikum direkt einbindet. Mit Verweisen auf weiterführende Studien zeigt Merle wissenschaftliche Tiefe und macht Ökologie auf Instagram kurzweilig und greifbar. Ein gelungenes Wisskomm-Format, das definitiv mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte!